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Wie gut sind Facebook, Google, Apple und Co für Innovationen im Internet?

Die Projektgruppe “The Business Web” der Stiftung Neue Verantwortung veröffentlicht heute ihren Policy Brief “Schönes neues Internet? Chancen und Risiken für Innovation in digitalen Ökosystemen”. Darin werden die Auswirkungen, Gefahren und Potentiale der “Netze im Netz” beschrieben und aufgezeigt. Seit einem Jahr forschen wir, Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik, wie Unternehmen und Geschäftsformen sich auf Innovationen im Internet auswirken und wo möglicherweise Regulierungsbedarf besteht.

Policy Brief (PDF)Am vergangenen Mittwoch stellte Apple das neue iPhone 5 vor. Das iPhone gilt nicht nur wegen seiner Hardware und seinem Betriebssystem iOS als prototypisches Smartphone; es bietet mit dem Apple AppStore auch einen Fundus von hundertausenden an Smartphone-Anwendungen (Apps). 30% der Umsätze, die im AppStore getätigt werden, fließen direkt an Apple, die restlichen 70% werden an die eigentlichen Entwickler ausgeschüttet. Für die Nutzerinnen und Nutzer mag das uninteressant sein, da sie die dort gekauften Apps auch kostenfrei auf weiteren iOS-Geräten (z. B. neues iPhone, aber auch iPad oder iPod Touch) genutzt werden können. So fällt ein späterer Wechsel zu anderen Smartphone-Systemen (“Ökosystemen”) schwer: Eine gekaufte App auf einem iPhone kann beispielsweise nicht auf ein Android- oder Windows-Mobile-Gerät portiert werden. Die Nutzerin oder der Nutzer muss also für bestimmte Anwendungsfälle entsprechende Software erneut kaufen und entschließt sich vermutlich, bei seinem Ökosystem zu verbleiben (“Lock-In-Effekt”).

Diese beispielhafte Auswirkung der Ökosystemisierung lässt sich auch bei völlig anderen Plattform feststellen: Wer Facebook nutzt, schätzt seine bestehende Freundeslisten und die hohe Anzahl an ihm/ihr bekannten Personen. Wer GMail (Google Mail) nutzt, wird vermutlich auch eher auf den Google Kalender zurückgreifen, da eine Verknüpfung leichtfällt. Aber es gibt nicht nur Bequemlichkeitsgründe, die für die großen Ökosysteme sprechen: der Apple AppStore lässt Anwendungen nur nach einer Prüfung zu, die Wahrscheinlichkeit von Schadsoftware sinkt erheblich. Dieser Luxus und das Mehr an Sicherheit bedeutet im Umkehrschluss aber auch ein Verlust an Freiheit: Wer kontrolliert eigentlich, welche Software ich auf meinem Smartphone installieren darf?

Mit dem Für und Wider der Ökosystemisierung hat sich unsere Arbeitsgruppe The Business Web der überparteilichen Stiftung Neue Verantwortung in den letzten Monaten ausführlich beschäftigt. Hier haben wir insbesondere untersucht, welche Auswirkungen die Ökosysteme auf das Internet haben und auch, ob sie Innovationen im Netz beschleunigen oder abbremsen. Die ersten Ergebnisse sind in dem Policy Brief (PDF) zusammengestellt. Über Anmerkungen freuen wir uns!

Mitglieder der Arbeitsgruppe:

Fabian Bahr (Giesecke & Devrient GmbH), Thomas F. Dapp (DB Research, Deutsche Bank), Dr. Leonhard Dobusch (Freie Universität Berlin), Prof. Dr. Marcin Grzegorzek (Uni Siegen), Valentina Kerst (Topiclodge), Dr. Ralf Meinberg (Deutsche Telekom), Dr. Mario Rehse (BITKOM), Jessica Sänger (Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V.), Thomas Schauf (Bundesverband Digitale Wirtschaft e.V.) und ich.

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