Fake-News: Facebook muss Gegendarstellungen anzeigen

Zwei Tage vor der Bundestagswahl: Der Spitzenkandidat einer Partei soll eine schwere Straftat begangen haben. Es stellt sich heraus: Fake News. Was tun? Facebook muss das tun, was Zeitungen auch tun müssen. Nur schneller.

Der Gegendarstellungsanspruch in Zeitungen oder im Rundfunk ist in Deutschland klar durch die Pressegesetze der Länder und den Rundfunkstaatsvertrag geregelt. Jede von einer Tatsachenbehauptung betroffene Person kann kostenlos eine abweichende Darstellung in dem entsprechenden Medium artikulieren. Häufig wird diese Gegendarstellung durch den Anbieter verweigert, wodurch der oder die Betroffene gezwungen wird, eine einstweilige Verfügung zu erzwingen.

Bei Facebook und ähnlichen sozialen Netzwerken ab einer bestimmten Größe müssen diese Verfahren analog greifen und auf so genannte Fake-News erweitert werden. Facebook publiziert selbst im Gegensatz zu Zeitungen nicht, fördert aber die Verbreitung von (richtigen oder auch falschen) Informationen.

Momentan werden Falschmeldungen massenhaft verbreitet und im besten Fall nach Tagen lediglich gelöscht. Der Inhalt dieser Falschmeldung hat sich jedoch in den Köpfen der Nutzerinnen und Nutzer festgesetzt.

Facebook weiß bei jedem Beitrag, der im Netzwerk verbreitet wird,
– wer diesen erstellt hat,
– wer auf diesen reagiert hat („Gefällt mir“),
– wer diesen geteilt hat,
– aber auch – und dies ist anzunehmen – wer diesen überhaupt gesehen hat.

Im Falle einer Gegendarstellung muss den Personen, die den fraglichen Beitrag gesehen haben, gut sichtbar gezeigt werden, dass der ältere Beitrag einer abweichenden bzw. falschen Tatsachenbehauptung entspricht.

Facebook selbst sollte jedoch nicht entscheiden sollen oder dürfen, was richtig oder falsch ist. Dies müssen im Zweifel Gerichte tun. Dennoch bedarf es eines unabhängigen Gremiums, das aus Vertreterinnen und Vertretern von Facebook, Journalistinnen und Journalisten, sowie Juristinnen und Juristen besteht. Facebook hat relativ gute Algorithmen, die erkennen, welche Inhalte verbreitet werden (man denke nur an böse Brustwarzen). Durch diese Algorithmen kann eine Vorauswahl an potentiellen Falschmeldungen erstellt werden, die dann an das entsprechende Gremium übergeben werden. Dieses entscheidet darüber, inwiefern mögliche Opfer der (falschen) Berichterstattung darüber informiert werden und ob dann schließlich eine Gegendarstellung stattfindet. Diese Gegendarstellung muss dann gut sichtbar angezeigt werden, z. B. direkt am Anfang des News Feeds.

Wichtig ist hier anzumerken, dass die freie Meinungsäußerung keinesfalls beeinträchtigt werden darf. „Ich finde Politiker/in XY doof“ ist weiterhin eine Meinungsäußerung und keine Fake-News (dies sei nur angemerkt, bevor der Blutdruck der „Armes-Deutschland“-Schreier nach oben steigt).

5 Kommentare
  1. Nicht Wichtig
    Nicht Wichtig says:

    Da drängeln sich aber Fragen auf.

    1. „Bei […] sozialen Netzwerken ab einer bestimmten Größe….“, ab welcher Größe und wie soll so was bemessen werden????

    2. „Bei Facebook und ähnlichen sozialen Netzwerken…“, welche „ähnliche“ Netzwerke? Wie wird so ein Netzwerk definiert? Ist ein Online-Spiel oder ein Forum ein Facebook ähnliches Netzwerk? Ist ein E-Mail Portal ein Facebook-ähnliches Netzwerk? Sind die Provider, Tauschbörsen Portale oder Online-Händler wie Amazon so ein Netzwerk? Wie soll so ein Facebook ähnliches Netzwerk definiert werden?

    3. „Facebook weiß bei jedem Beitrag, der im Netzwerk verbreitet wird,
    – wer diesen erstellt hat,
    – wer auf diesen reagiert hat („Gefällt mir“),
    – wer diesen geteilt hat,
    – aber auch – und dies ist anzunehmen – wer diesen überhaupt gesehen hat.“

    Davon stimmt (ziemlich sicher) leider nichts. Wie sollte Facebook erfahren wer solche Post’s einstellt? Dafür hätte ich gerne eine Erklärung, denn ich kann mir nicht vorstellen, daß Facebook sehen kann, wer einen Post veröffentlicht.

    4. Nach welchen Kriterien soll entschieden werden, ob ein Post eine Tatsachenbehauptung ist? Ich kann mir nicht vorstellen, daß es da auch nur ein sinnvolles Kriterium gibt, geschweige eine ganze Breite solcher Kriterien nach den man entscheiden kann, ob ein Post eine Tatsachenbehauptung darstellt.

    Fazit:

    Wichtig ist hier anzumerken, dass die freie Meinungsäußerung genau durch solche zweifelhafte Bestimmungen beeinträchtigt wird. Schnell werden Post’s wie: „Ich finde Politiker/in XY doof“ als keine freie Meinungsäußerung, sondern schnell als Teil einer ominösen, antiliberalen, intoleranten und populistischen Weltverschwörung bewertet und als destruktive Manipulation der Öffentlichkeit VERBOTEN!

    Politiker und etablierte Medien sehen langsam ihre Fälle davonschwimmen und möchten freie, PRIVATE(!) und öffentliche Meinungsäußerungen, die ihnen nicht in den Kram passen, einfach verbieten. Dafür gibt es auch einen logischen Beweis. Die Aufregung über unangemessene Post’s im Internet ist plötzlich sehr groß, obwohl solche „Fake-News“ schon seit dem Entstehen des Internets IMMER MASSENHAFT verbreitet wurden. Auch Haßkommentare im Internet gab es schon IMMER massenhaft, und trotzdem waren sie NIE an der politischen Tagesordnung. Warum also jetzt plötzlich?????
    Übrigens Anstieg der Anzahl der Strafanzeigen wegen Falschmeldungen und Haßkommentaren in Relation zu der angeblich steigenden Anzahl* der Fake-News* und Haßkommentare ist äußerst gering, man spricht also über ein Problem das keins ist.

    *Die Anzahl der Fake-News ist heute nicht größer, als das schon immer seit dem Entstehen des weitverbreiteten Internets war, gemessen an der Anzahl der User.

    Antworten
    • henningtillmann
      henningtillmann says:

      Vorab sei angemerkt, dass mein Text ein Gedankenanstoß ist, der nicht jedes Detail bis zum Ende denkt (und auch gar nicht denken soll). Sollte das Konzept auf „Gegenliebe“ stoßen, so muss es weitergedacht werden – unbestritten.

      Zu den Punkten:
      Zu 1 + 2) Hier muss natürlich noch eine klare Definition vollzogen werden. Aber Facebook (und Twitter) haben schon eine andere Position als ein Forum auf irgendeiner Website. Ich bin auch der Auffassung, dass Facebook klar ein Medienunternehmen ist, auch wenn sie es teilweise abstreiten. Facebook regelt durch Algorithmen, wer was zu sehen bekommt. Dies sind ähnliche Gatekeeper-Aufgaben, die im klassischen Printbereich die Verlage übernommen haben. Ebenso fördert Facebook die exklusive Veröffentlichungen von Inhalten, z. B. durch Facebook Live.
      Zu 3) Facebook kann doch die Inhalte einem Benutzeraccount zuordnen? Wichtig ist vor allem der letzte Punkt: Wer hat einen fraglichen Beitrag gesehen (in wessen Feed wurde es angezeigt)? Diese bekämen dann die Gegendarstellung zu sehen.
      Zu 4) Hier gilt das gleiche, eingeübte Prinzip der Gegendarstellung (bekannt aus Funk und Print).

      Was unter „Fazit“ steht soll eben nicht beeinträchtigt werden. Eine Meinungsäußerung „ich finde XY doof“ ist und bleibt eine Meinungsäußerung. Das kann auch ein Autor jetzt schon in eine Printzeitung schreiben, ohne dass es da eine Gegendarstellung von XY geben wird. Man könnte nur bemängeln, dass es schlechter journalistischer Stil wäre, wenn es in einem normalen Artikel, nicht aber in einem Kommentar stünde.

      Was die Verbreitung von sog. Fake News (ich würde teilweise eher von Propaganda sprechen) betrifft: Es ist natürlich schwierig, absolute oder relative Zahlen zu messen. Das Problem von Fake News / Propaganda heutzutage ist aber eher, dass durch das Entstehen von Filterblasen bei vielen Menschen, gepaart mit dem Fakt, dass für diese Facebook das einzige „Nachrichtenmedium“ ist, sie nur von dieser Propaganda berieselt werden. Was Hasskommentare betrifft, gibt es aber einen deutlichen und messbaren Anstieg.

      Antworten
    • ich
      ich says:

      Hallo,

      Versuch einer Antwort:

      „1. „Bei […] sozialen Netzwerken ab einer bestimmten Größe….“, ab welcher Größe und wie soll so was bemessen werden????“

      Na, so schwer ist das auch wieder nicht.
      – Ist das soziale Netzwerk ein kommerzielles Unternehmen?
      – Hat es mehr als 10 mio. Mitglieder?
      …solche Kriterien dürften relativ einfach zwischen den ganz wenigen ganz großen und den vielen kleinen trennen.

      „2. „Bei Facebook und ähnlichen sozialen Netzwerken…“,“
      Na dann bleiben wir eben bei Facebook und Twitter. Das reicht fürs erste.

      „3. „Facebook weiß bei jedem Beitrag, der im Netzwerk verbreitet wird,
      – wer diesen erstellt hat,
      – wer auf diesen reagiert hat („Gefällt mir“),
      – wer diesen geteilt hat,
      – aber auch – und dies ist anzunehmen – wer diesen überhaupt gesehen hat.“
      Davon stimmt (ziemlich sicher) leider nichts. “

      Sorry, aber wie kommen Sie denn auf die Idee.
      Selbstverständlich stimmt das.
      Ein Beitrag wird von einem angemeldeten User erstellt. Ein Kommentar, „like“, „share“ ebenso. Wie kommen Sie auf die Idee, das sei nicht so? *wunder*

      „4. Nach welchen Kriterien soll entschieden werden, ob ein Post eine Tatsachenbehauptung ist?“

      Für derartige Fragen existiert beim deutschen Presserat seit vielen Jahren Erfahrung. Das Thema ist nicht neu, nur die technischen Verbreitungswege sind es.
      Natürlich ist so eine Unterscheidung nicht einfach, aber sie ist auch nicht so schwer wie Sie es darstellen. Und entsprechend dem Grad des Ursprungspostings kann ja auch die Antwort abgestuft erfolgen.
      Genau so wie es auch heute schon beim Presserat die Regel ist.

      Ach, und übrigens:
      „Auch Haßkommentare im Internet gab es schon IMMER massenhaft, und trotzdem waren sie NIE an der politischen Tagesordnung. Warum also jetzt plötzlich?????“
      Also da darf ich jetzt aber mal bitte kurz um einen Reboot Ihrer Wahrnehmung bitten. Ich bin schon online, länger als es das WWW gibt und ja – natürlich gab es immer schon einen Bodensatz. Aber in der Art wie heute nicht nur Hass ausgekübelt wird, sondern auch welche gesellschaftlichen Dynamiken daraus entstehen – das ist in der Tat neu. So etwas gab es früher nicht.

      Und was das angeht:
      „*Die Anzahl der Fake-News ist heute nicht größer, als das schon immer seit dem Entstehen des weitverbreiteten Internets war, gemessen an der Anzahl der User.“

      Sorry, aber das ist einfach Unfug.

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  1. […] Mein Tipp: Lesen, nachdenken, einmal durchatmen, nochmal nachdenken und ggf. recherchieren und erst dann weiterverbreiten, falls es sich um keine Fake News handelt. (Was die sozialen Netzwerke selbst machen sollten, habe ich in einem anderen Artikel aufgeschrieben.) […]

  2. […] henning-tillmann.de: Fake-News: Facebook muss Gegendarstellungen anzeigen […]

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