Was Amy Winehouse für den Soul und Jazz, Elvis für den Rock & Roll und Michael Jackson für den Pop waren, das war auch Chuck Schuldiner für die härtere Form des Metals. Ein Musikpionier, der nicht nur ein eigenes Musikgenre prägte, sondern dessen musikalisches Spektrum von einfachen und simplen Klassikern bis zu vertrackten und kompexen Arrangements reichte. Ein Tribut an einen Musiker, dessen Werke viel zu wenig Anerkennung finden.

Chuck Schuldiner war ein kleiner Junge als er Gitarrenunterricht nahm. Allerdings nur kurz, denn als er „Marry Had A Little Lamb“ einüben sollte, reichte es ihm. Die Musik von Kiss, Black Sabbath und Iron Maiden gefiel ihm schon eher. So gründete er 1983 seine erste Band MANTAS die sich wenig später in „Death“ umbenannte. Genau, DEATH wie in Death Metal (es gibt verschiedene Auslegungen bzgl. der Wortherkunft von „DeathMetal“, aber sicherlich spielte Chuck Schuldiner eine große Rolle).

Nach einigen Jahren und vielen Demos erschien 1987 das erste Studioalbum „Scream Bloody Gore“ und es beinhaltet vermutlich das, was viele sich unter Death Metal vorstellen. Von Zombiefilmen inspirierte Lyrics, recht einfache und eingängige Arrangement und viel Brutalität an den 6-Saitern. Wenige Zeit später erschien Leprosy – mit ähnlicher Thematik, aber schon deutlich anspruchsvollerem musikalischem Background. Auch der Nachfolger Spiritual Healing (1990) legte den Grundstein für die großen Alben der folgenden 1990er Jahre.

 


Konzertmitschnitt von 1989 – Klassischer Death Metal

Die goldenen Jahre von DEATH begannen 1991 mit dem Meisterwerk „Human“. Der Klang des Albums ist drückend und hart, die Arrangements ausgefeilt, präzise und die Riffs sind in einer atemberaubender Geschwindigkeit. Zum ersten Mal enthielten Songs auch jazzige Elemente. Ja, Jazz und Death Metal kann man kombinieren! Auch die Thematik des Albums hat sich, vor allem verglichen mit dem Debütalbum, deutlich geändert. Schuldiner spricht den Menschen an, dessen idealisierte Lebensformen (Flattening Of Emotions) oder deren Unfähigkeit, Schuld auch bei sich selbst suchen zu können (Lack Of Comprehension). „Human“ gilt immer noch als Referenzwerk des progressiven Death Metals.


Musikvideo zu Lack Of Comprehension (1991)

1993 wurde es zwar etwas langsamer, aber dafür umso vertrackter. Steve diGiorgio, einer der sehr wenigen Bassisten im Rock/Metal, der einen „Fretless Bass“ spielt (ein Bass ohne Bundstege), sorgte gemeinsam mit Chuck Schuldiner dafür, dass das Album „Individual Thought Patterns“ fast schon semi-atonale Züge enthielt. Als ich mir das Album vor ungefähr zehn Jahren kaufte, benötigte ich sicherlich 20 Durchgänge, damit es überhaupt zündete. Nicht weil es nicht gut ist, sondern weil es den Hörer dermaßen fordert.

Mit dem vorletzten DEATH-Album wurde die Musik etwas eingängiger und ruhiger, aber das hohe Nivea wurde weiter gehalten. 1998 erschien das letzte Album „The Sound Of Perseverance“, das erneut an „Human“ und „Indivudal Thought Patterns“ anknüpfte und enorm komplexe Songs wie Scavenger Of Human Sorrow oder Flesh (And The Power It Holds) enthielt. Besonders sei hier auch das enorm talentierte Schlagzeugspiel von Richard Christy erwähnt.


Teile von „Scavenger Of Human Sorrow“ und Interview

1999 erschien „The Fragile Art Of Existence“, das Album von Chucks neuem Projekt CONTROL DENIED. Dies orientierte sich mehr am klassichem Heavy Metal und Chuck spielte hier auch nur Gitarre und sang nicht mehr. „The Fragile Art Of Existence“ stellt sich im Nachhinein als böses Omen für die kommenden Monate ein. Im selben Jahr wurde bei Chuck Schuldiner ein Gehirntumor festgestellt. Er kämpfte bis 2001 gegen diesen Tumor, konnte dann aber entsprechende Operationen und Behandlungen wegen fehlender Krankenversicherung nicht mehr bezahlen (genauer gesagt hatte er eine Krankenversicherung, die aber den Gehirmtumor nicht abgedeckt hat). Viele befreundete Bands sammelten Geld (es wurde sogar ein eigenes Festival für ihn organisiert) – es reichte jedoch nicht aus.

Chuck Schuldiner starb am 13. Dezember 2001 im Alter von 34 Jahren.

Foto: Chuck Schuldiner (1991) – CC BY-SA 3.0 Rodrigo César / Griffguy